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Foto: Christoph Hoigné

Esther Hasler

Meine erste Klavierlehrerin trug eine Perücke. Grau mit einer waagrecht, von einem zum anderen Ohr leicht geschwungenen Rolle am Hinterkopf, wo sie die eigenen Haare mit Haarspangen einarbeitete. Jede Woche sass die Perücke ein bisschen anders auf dem Kopf. Mal war sie weiter vorne, mal weiter hinten. Ich war noch ein Kind und es faszinierte mich unheimlich. Meine zweite Klavierlehrerin, eine Chinesin, lehrte mich, chinesisch zu schreiben. Sie hinkte. Wenn ich Chopin oder Mendelssohn spielte, tanzte sie durch den Raum, flatterte mit den Armen und sang: „wie eine Smettelin, gans leicht, wie eine Smettelin!“, was mich sehr beflügelte. Später wurde ich von einem Eurythmielehrer als Pianistin angestellt. Als die ersten Tänzer durch den Raum stolperten, wurde ich von einem Lachanfall geschüttelt. Ich konnte meine Mozartsonate nicht zu Ende spielen, wurde fristlos entlassen und fand glücklich zum Chanson.

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